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Keine "Digital Natives"?
Vereinsarbeit

Keine "Digital Natives"?

So macht ihr eure Organisation fit für den digitalen Wandel.

Charis Antolovic
Apr 25, 2022

Für Organisationen und Vereine bedeutet Digitalisierung ein Strukturwandel. Einige sehen darin vor allem Potenziale und stehen dem Thema positiv gegenüber. Für andere wiederum stellt der digitale Wandel eine große Aufgabe dar: Der Digital-Report 2020 zeigt, dass 30 % der Befragten die Digitalisierung als große, weitere 21 % sogar als eine sehr große Herausforderung für ihre Organisation empfinden. Dabei stechen vor allem folgende Punkte heraus:

  • Die Einhaltung von Gesetzgebung (z.B. der Datenschutzgrundverordnung)
  • Das Aufbringen der erforderlichen Ressourcen zur Investition in die Digitalisierung
  • Die Erlangung der Kompetenz zur Nutzung digitaler Tools

Digitalisierung im freiwilligen Engagement bedeutet aber nicht allein die Umstellung auf digitale Organisationsstrukturen. Auch freiwillige Tätigkeiten werden vermehrt online und digital ausgeführt:

"Ein relevanter Anteil des Engagements junger Menschen findet inzwischen digital vermittelt statt. Bestehende Formen des Engagements werden durch Formen digitalen Engagements nicht ersetzt, sondern ergänzt." (Dritter Engagementbericht des BMFSJ)


Dabei kann das Engagement verschiedene Formen annehmen: von einem Spendenanruf für einen guten Zweck, über das Unterschreiben einer Petition bis hin zur Einladung zur nächsten Mitgliederversammlung per Social-Media-Aufruf. Die Freiwilligen schätzen an dieser Art des Engagements besonders, dass sie freier entscheiden können, wofür und wann sie sich engagieren.

Eure Vorteile

Trotz der Herausforderungen sehen 80 % der NPOs in Deutschland mehr Chancen als Risiken in der Digitalisierung. Denn:

  • Durch den Einsatz digitaler Technologien können interne Abläufe und Strukturen effizienter, einfacher und transparenter gestaltet werden z.B. durch die Kommunikation via Videokonferenz, das kollaborative Arbeiten über eine Cloud oder die digitale Buchhaltung.
  • Darüber hinaus eröffnet die Digitalisierung neue Wege, das bestehende Angebot für die Zielgruppen zu verbessern und somit die positive Wirkung auf die Gesellschaft zu erhöhen.

Euch haben die Vorteile überzeugt und ihr wollt nun den digitalen Wandel in Eurer Organisation vorantreiben? Super! So könnt ihr dabei vorgehen:

1. Strategisches Vorgehen 🤔

Der Weg zu digitalem Engagement ist abhängig vom aktuellen Entwicklungsstand der Organisationen, den Kompetenzen und Bedarfen der Engagierten und den Ressourcen, die zur Verfügung stehen. Deswegen ist es sinnvoll, strukturiert und strategisch an die Aufgabe heranzugehen. Folgende Dinge solltet ihr euch fragen:

  • Wie kann uns Digitalisierung helfen?
  • Welche Arbeitsabläufe und Prozesse kann Digitalisierung vereinfachen?
  • Wie können wir für Engagierte attraktiver werden?
  • Wie können wir besser unsere Ziele erreichen?
2. Technische Zugänge 👩🏾‍💻

Habt ihr diese Fragen beantwortet, geht es an eine Bestandsanalyse. Überprüft, ob alle Personen in eurer Organisation Zugang zu digitaler und technischer Grundversorgung haben. Fragt euch außerdem, ob Barrieren abgebaut werden können, indem Geräte, Räume und Begleitung bereitgestellt werden. Auch interne und ggf. externe Ansprechpartner solltet ihr abklären.

Wie digital eure Organisation schon ist, könnt ihr mithilfe des Digital-Schnellchecks von Haus des Stiftens testen:

Hier geht's zum Digital-Schnellcheck

3. Vermittlung von digitalen Kompetenzen 👨🏽‍🏫

In diesem Schritt solltet ihr euch mit diesen Fragen beschäftigen:

  • Wo und wie können wir neue Formate, Soft- oder Hardware ausprobieren?
  • Wie sieht es mit unserer Fehlerkultur aus?
  • Geben wir genug Zeit und Gelegenheit, um neues auszuprobieren? Haben alle verstanden, warum wir welches Tool wofür nutzen?

Habt nicht zu hohe Erwartungen an die Lernenden. Jede Person hat ihr eigenes Lerntempo und benötigt mehr oder weniger Hilfe, um neue Tools zu erlernen. Reagiert hier dementsprechend mit Verständnis und Geduld.

4. Verankerung der strukturellen Veränderungen ⚓

Jetzt ist die Zeit, um die strukturellen Veränderungen in eurer Organisation zu verankern und zu reflektieren. Gibt es Verantwortliche für die Digitalisierung? Und wenn nicht, wer könnte das übernehmen? Gibt es eine Strategie und wurden Handlungsfelder identifiziert? Was ändert sich in eurer Arbeitsweise durch die veränderten Bedingungen? Ihr solltet auf jeden Fall einen Digitalisierungsbeauftragten ernennen, der einen Überblick über den ganzen Prozess behält und als Ansprechpartner für alle anderen Beteiligten gilt. Natürlich könnt ihr dieses Amt auch in bestimmte Arbeitsbereiche aufteilen, um so besser auf die Kompetenzen der einzelnen Personen zu reagieren (z.B. Datenschutz, Social-Media, Online-Petitionen, IT...).

Zum Schluss ein paar motivierende Worte...

Geht auf jeden Fall mit Offenheit, Neugier und Spaß an das Thema Digitalisierung. Und seid nicht zu schnell frustriert, wenn etwas nicht klappt - sei es die Technik oder der Mensch. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und alles braucht seine Zeit. Aber ihr werdet sehen: Die Arbeit wird sich lohnen und ihr legt damit einen wichtigen Grundstein für die Zukunft eurer Organisation. Viel Erfolg und Freude dabei! 😊
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ÜBER DEN AUTOR
Charis Antolovic

Charis ist unsere Ansprechpartnerin für Organisationen und Volunteers und sorgt dafür, dass diese "happy" sind. Deswegen schreibt sie auch so viele Artikel für die Akademie und den Blog: Sie möchte beiden Seiten einen Mehrwert bieten, Tipps geben und zu guten Taten inspirieren.